2014
01.15

Ich bin immer noch ganz aufgeregt. Es ist Post gekommen. Riesenumschlag. Ein Vertrach von einem Verlach. Für meinen ersten Krimi. Sieben Seiten lang. Also der Vertrag, der Roman ist natürlich länger. Sind ja schon allein fünf Morde. Ich habe die Frau Chefin vom Verlach sofort angerufen und gesagt, dass ich rein zufällig sowieso ganz in der Nähe und deshalb gleich bei ihr bin. Nicht, dass sie sich das noch anders überlegt  cheap bridesmaid Dresses.

Und die war auch sehr nett. Es gab leckeren Kaffee und nirgends BVB-Aufkleber. Zunächst hat sie mir mal alles gezeigt. Ich muss sagen, ihr Laden hat einen guten Eindruck auf mich macht. Nicht so ein protziger Glaspalast, ganz einfach, bescheiden und solide. Wie bei telefacts.tv. Nur aufgeräumter, aber die hatte ja auch eine Stunde Zeit, bis ich da war. A 40, das Übliche.

Die Frau Chefin selbst war auch sehr nett. Hat mir erklärt, wie schwer das Geschäft ist, und dass wir das ja alle aus Idealismus und nicht wegen des Geldes machen. Als Autor könne man nur schwer vom Buchverkauf allein leben. Und als Verleger erst Recht nicht. Das wusste ich aber schon vom Sender, das sagen die auch immer. Bevor sie am Ende des Jahres wieder Rekordgewinne verkünden.

Ausführlich haben wir über den Verlagsvertrag gesprochen. Leider hat sie deswegen ihren Sporttermin verpasst. Was tut man nicht alles, um den kommenden Star-Autor an Land zu ziehen. Und sind ja auch viele Paragraphen in diesem Vertrag.

Ich verstehe nichts von der Buchbranche, deshalb habe ich mir intensiv nur den Teil mit der Vergütung angesehen. Mir schon mal ausgerechnet, wie reich ich bald werde. Wenn die ersten 50.000 Bücher verkauft sind … oder 100.000 … oder 1 Millionen…dann bekomme ich … Nicht auszudenken. Endlich muss ich nicht mehr wie Spitzwegs armer Poet leben. Hat mal jemand ein paar Urlaubsprospekte? Was kostet eigentlich ein 911er in Vollausstattung? Und ein iPad für die Mitarbeiter der Mediengruppe telefacts.tv müsste dann auch endlich mal drin sein.

Denn dass das ein Bestseller wird, ist ja wohl klar. John Grisham. Dan Brown. Thomas Schweres.

Geht gar nicht anders. Denn bei dem Riesenvorschuss, den dieser Verlag mir zahlen will, da müssen die schon mit einer gewaltigen Startauflage loslegen. Na gut, 500.000 wie beim nächsten Schätzung werden es beim ersten Werk wohl nicht sein, das sehe ich ein. Da wäre das Risiko für den Verlag wohl doch zu hoch. Hinterher bleiben 100.00 Bücher liegen, und dann? Deshalb werden es wohl etwas weniger werden. Man kann ja auch nachdrucken. Ich habe mich mit dem Beispiel Sebastian Fitzek getröstet. Dessen erster Thriller hatte auch nur eine Startauflage von 4.000 Stück. Mittlerweile hat er angeblich in acht Jahren 8 Millionen Bücher an die Leser gebracht. Deshalb kann er es sich auch leisten, weiterhin für RTL zu arbeiten.

Gut gefallen hat mir auch die Laufzeit des Vertrages über die Dauer des Urheberrechts, 70 Jahre. Müsste ungefähr dann enden, wenn die bei WDR 2 das Zeitzeichen über mich senden, zum 125. Geburtstag des berühmten Schriftstellers.

Das Buch muss nur noch erscheinen. Möglichst noch im Sommer, hat die Frau vom Verlag gesagt.

Ach so. Ich dachte, nächste Woche.

Zuerst muss sich noch eine Lektorin das ganze Werk durchlesen, habe ich gelernt, und dann mit mir bearbeiten. Ich weiß zwar nicht, was es da groß zu bearbeiten geben soll. Wenn sie will, kann ich ja drei Sätze ändern, geht ja schnell.

Das Drucken dauert auch noch ein paar Wochen. Danach wird es endlich  an die Läden verteilt.

Die armen Buchhändlerinnen, denke ich, die dann wochen-, ja monatelang im Dunkeln arbeiten müssen, weil die Schaufensterscheiben vollflächig mit meinem Portrait und dem Buchcover zugekleistert sind. Die armen Fußgänger, die beim konzentrierten Lesen meines Krimis als ebook auf ihren Smartphones auf den Gehwegen gegen die bondomasPappaufsteller mit meinem Konterfei in Lebensgröße laufen…. Das dauert ja auch seine Zeit, diese ganzen Werbematerialien zu produzieren.

Außerdem muss vor dem Erscheinen noch  die Welt erfahren, welches bahnbrechende Werk jetzt auf die Leser zu kommt. Und die Zeit. Und die Frankfurter. Und die WAZ und die RN, die Handlung spielt ja größtenteils im Ruhrgebiet. Meine Groupies Heidenreich und Westermann nicht zu vergessen. Die werden das Werk natürlich alle besprechen. Schade, dass Marcel das nicht mehr erleben darf. Aber Hellmuth, zum Glück. Ich muss Lesungen abhalten, in alle Fernseh-Talkshows, im Radio vortragen…Hoffentlich komme ich überhaupt noch zum Arbeiten!

Dann ist da ja auch noch diese Buchmesse in Frankfurt. Schließlich die Verleihung des Nobelpreises für Literatur. Die ist immer am 10. Dezember, habe ich schon nachgesehen. Hoffentlich habe ich da Zeit und muss nicht gerade drehen.

Wird dieses Jahr wahrscheinlich zu knapp, dann gehe ich da eben 2015 hin, nehme den Preis eben für mein zweite Buch in Empfang. Oder für das erste, wenn das zweite schon raus ist. Wie Thomas Mann. Der hat den Preis bekommen, als ‚Der Zauberberg’ auf dem Markt war. Aber nicht dafür, sondern für die ‚Buddenbrooks’. Für die Verleihung müsste ich allerdings ins Ausland reisen, nach Stockholm in Schweden… Wie lange fährt man denn da? Könnte ich vielleicht unterwegs noch ein  paar Kollegen besuchen. Herrn Mankell zum Beispiel. Kleiner Plausch unter Dichterfürsten, haben Goethe und Schiller ja auch gelegentlich gemacht. Wenn das nicht alles so weit wäre! Wie viele Drehtage mir da entgehen!

Gut, dass der Verlag wenigstens bei mir in der Nähe ist. Kann ich immer schön nach Feierabend vorbeifahren, Kaffee trinken und fragen, wann sie die nächsten 100.000 Bücher endlich ausliefern. Man muss sich schließlich regelmäßig in Erinnerung bringen. Und mit den drei Freiexemplaren allein kann ich den Riesen-Hunger meines Publikums nach anspruchsvoller, aber lesbarer und dabei durchaus spannender Kriminalliteratur nicht befriedigen.

Deshalb ist das gar nicht so schlecht mit diesem kleinen, flexiblen Verlag vor der Haustür, glaube ich. Wir im Revier – gemeinsam nach vorn. Und  so. Denen gönne ich diesen Erfolg auch.  Und Grafit ist ja fast schwarz, wie meine Lieblingsfarbe. Jedenfalls habe ich  einfach mal unterschrieben. Gestern abend um 19:31 Uhr. Aber nur für das erste Buch! Beim zweiten bin ich auch erst bei Seite 27.

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