2011
06.28

Der Kölner an sich scheint ja eher der mediterrane Typ zu sein. Den gelegentlichen Besucher aus einer zivilisierten Gegend Mitteleuropas, sagen wir mal aus dem Ruhrgebiet, wundert das immer wieder sehr. Diese ausgeprägte Aussengastronomie, an jeder Ecke, und immer voll – morgens um elf, mittags um 13, nachmittags um 15 Uhr. Abends sowieso.  In der City, in den Mittelzentren, natürlich in Ehrenfeld und Deutz. In welche Ecke dieser Stadt es einen auch verschlägt, immer und überall stößt man auf gut besetzte Straßencafes. Als Tourist muss man unweigerlich den Eindruck bekommen, der Kölner hetze mit dem Fahrrad ohne Rücksicht auf Verluste, mit dem Auto ständig hupend, nur von Bistro zu Biergarten. Und der Besucher fragt  sich, wann der gemeine Kölner eigentlich mal arbeitet, und ob Colonia wohl  näher an Athen liegt, als an Essen. Nicht nur, weil die korrekte Übersetzung von „fakelaki“ ins Deutsche „Kölscher Klüngel“ lautet.

Im Pott arbeiten auch bei 38 Grad nicht nur die Bedienungen in den viel seltener gesäten Straßencafes und Biergärten. Dabei gerät man dann ins Schwitzen. Hitzefrei bekommen nur Schulkinder manchmal. Darum stört den Ruhrie diese schwüle Hitze auch viel mehr als den Domstädter. Kommt ein Essener aus dem kühlen Supermarkt oder dem klimatisierten Büro nach draussen, und ihn trifft fast der Schlag, stöhnt er (oder sie) kurz auf, wischt sich gequält den Schweiß ab, denn er oder sie denkt an die nächsten Aufgaben: Den Kindern das Essen machen, putzen, Rasen mähen, oder was man sonst noch so zu erledigen hat. Der gemeine Kölner denkt scheinbar nur an die nächste Möglichkeit, eine Kaltschale im Freien zu sich zu nehmen, welchen Bierersatz (meist doch wieder Kölsch) er dort trinken wird, wen man da wohl so trifft. Deshalb geht im Gesicht des Kölner auch die Sonne auf, wenn selbige auf seine Pläte brennt. Et kütt, wie et kütt, also hitzefrei. Über eigentlich anstehende Aufgaben kann man sich auch  am nächsten Tag noch Gedanken machen, ett hätt noch immer jut jejonge.

Deshalb war es wohl auch ganz falsch, die Heimat zu verlassen und zu versuchen, in der Domstadt „Die gequälten Gesichter der Hitze“ zu drehen. Das habe ich heute gelernt, bei sechs Stunden rumstehen auf gepflasterten, asphaltierten oder staubigen, aber immer schattenlosen Parkplätzen vor klimatisierten Supermärkten und Büros. Der Kölner laachte sech kapott über die Sonne und unsere Fragen nach dem Nerv-Faktor dieses Wetters. „Wat soll der Quatsch?“ lautete die verständnislose, „Wat wellste maache?“ die philosophische, und „Drinkste ene met?“ die freundliche Variante einer Antwort. Geschichte gestorben, weil Drehort verfehlt.

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