2011
04.30

Wir liegen im Bett, lachen über einen Artikel im Lokalteil. Ein Bericht über ein neues Baugebiet, 15 Reihenhäuser  an der lauten Stockumer  Straße in Eichlinghofen. Der Bauunternehmer wird so zitiert: „Das wird nicht laut, wir haben extra so geplant, dass die Fenster alle nach Norden zeigen.“

Punkt 09:00 Uhr, es klingelt an der Haustür. Wieder der Postbote, der uns ein Paket für die Nachbarn in die Hand drücken will? Ich habe ja den Verdacht, dass die einfach nicht aufmachen, sich auf uns verlassen. H. zieht sich an, flitzt runter, begrüßt jemanden. Es ist die neue Putzfrau, die sich heute alles anschauen will. Hatten wir vergessen.

H. führt die Frau, sie heißt Sana, passt ja,  durchs Haus. Entsetzt bleibt sie im Arbeitszimmer vor meinem Hausaltar stehen. Ich werde Zeuge eines bizarren Dialogs.

„Was ist das denn?“, fragt sie verstört.

„Schlimm, nicht?“ pflichtet H. ihr bei.

„Aber er wirkt so nett“, meint die Portugiesin. Woher will die das wissen? Hat sie heimlich ins Schlafzimmer gelugt?

„Ist er ja eigentlich auch, aber in dieser Hinsicht…“ H. wringt verzweifelt die Hände.

„Für solche Leute arbeite ich aber eigentlich nicht!“

„Jetzt übertreiben sie mal nicht, so schlimm ist das doch auch wieder nicht!“

„Ich bin strikt gegen Gewalt! Und wer sich mit anderen Hooligans boxt, schlägt auch Frauen. Müssen Sie sehr leiden?“

Die Frau schaut H. bedauernd an, H. dämmert gerade etwas. Die neue Putzfrau kann sich einfach nicht vorstellen, dass man eine Schalke-Fahne legal erwirbt, weil man Fan des Vereins ist. Sie ist selbstverständlich davon ausgegangen, dass der Hausherr ein Hool ist, der diese Trophäe im Straßenkampf erbeutet hat. Dortmund eben.

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