2011
04.11

Es ist das typische Schrebergarten-Idyll. Die Bochumer Anlage nennt sich „Centrum Morgensonne“, nach einem längst geschlossenen Pütt: Geharkte  Wege, Gartenzwerge, Ruhrpott- und Schalke-Fahnen. Wenn nur der ständige Krach nicht wäre. Früher stand hier eine Lärmschutzwand, die der Autobahnverbreiterung weichen musste. Im Herbst soll die neue, höhere Wand fertig sein. Aber dieser Sommer wird die Hölle.

Direkt hinterm Maschendrahtzaun türmt ein Riesenbagger Lehm auf, der Staub weht rüber. Daneben wird Gestein losgebohrt für die Fahrbahnerweiterung der A 40, man spürt die Vibrationen in den Füssen. Autos und schwere Laster donnern über den Asphalt. Um sich hier beim Kaffeekränzchen unterhalten zu können, sollte man schon ein Freund des sehr deutlich und besonders laut gesprochenen Wortes sein. Das Messgerät zeigt bis zu 103 Dezibel an. Ich halte das Mikrofon ganz dicht an den Mund der Interview-Partner, hoffentlich ist der Ton zu verstehen.

Gemüse baut hier in der ersten Reihe an der Autobahn niemand mehr an, „wer soll dat staubige Zeugs denn essen?“. Eigentlich wollen die Kleingärtner hier nicht sein, aber die Gärten müssen ja gepflegt werden. Zur Erholung fahren sie dann in ihre Wohnung, setzen sich auf den Balkon. Eigentlich hatten sie sich das umgekehrt gedacht. Mit Parzellen-Kündigungen rechnet der Vorsitzende Klaus Eggert (58) aber erst, wenn die neue Schallschutzwand fertig ist – die soll nämlich erheblich höher werden, nimmt der ersten Kleingarten-Reihe im „Centrum Morgensonne“ wahrscheinlich die Mittags-Sonne.

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