2013
12.14

Jetzt ist das Manuskript für meinen Roman schon fast eine Woche fast fertig. Bei Durchsicht der Zeitungen heute morgen ist mir aufgefallen, dass da noch nichts drüber drinsteht.  Wo ich das doch extra in einem der führenden Blogs angekündigt habe.

Da hatte ich doch in der ‘Zeit’ oder der ‘Welt’ zumindest einen 15 Zeiler erwartet, so ein leichtes Rauschen im Blätterwald. “Mit Spannung wird der erste Roman des bekannten Polizeireporters und TV-Journalisten Thomas Schweres erwartet. Gerüchten zufolge soll es sich um einen Kriminalroman handeln, bei dem es auch um brisante Enthüllungen aus der Medienbranche gehen soll….”

Mit irgendwas in der Art hatte ich fest gerechnet. Und mir deshalb auch den Vormittag freigehalten für Nachfragen von Kollegen anderer Blätter, die ganz investigativ etwas Genaueres herausfinden wollten. Das Wettbieten der Verlage würde nach dieser Ankündigung wahrscheinlich auch heute einsetzen. Rowohlt, dtv, Diogenes  … wer da wohl alles anrufen würde? Ich konnte deshalb auch nicht putzen oder staubsaugen. Hinterher hätte ich noch das Klingeln des Telefons überhört.

In den Zeitungen stand aber nichts. Nirgends. Demzufolge blieb das Telefon  still.

Ersatzweise, ich hatte ja jetzt Zeit, habe ich versucht, ein Buch von Jo Nesbo mit Strich durch das o zu lesen. Man muss sich ja auch informieren, was die Konkurrenz so treibt. Vom ersten Satz der ersten Zeile hat das Buch  mich angeschrien: Ich bin eine Übersetzung! Eine schlechte!

Das hat meine Überzeugung bestärkt, dass man den hervorragenden Stil eines Autors nur wertschätzen kann, wenn man ihn im Original liest. Ich kann aber kein norwegisch. Schwedisch auch nicht. Englisch ist eingerostet.

Das wird  den meisten Menschen in unserer Gegend wohl ähnlich gehen. Deswegen sollten sie, würden wahrscheinlich auch gern, Kriminalromane deutschsprachiger Autoren lesen.

Angeboten werden den Lesern aber nahezu ausschließlich Übersetzungen fremdländischer Autoren. Bei meinem letzten Besuch in einer Buchhandlung habe ich mich schon gefragt, wie die Schweden ihr Land am laufen halten. Dort muss es doch auch eine Müllabfuhr geben. Und jemand bei IKEA arbeiten. Volvos bauen. Oder die Elche hüten. Wie funktioniert das, wenn jeder Schwede pausenlos nichts anderes tut als Kriminalromane zu schreiben? Vielleicht ist Saab ja pleite gegangen, weil alle Arbeiter gekündigt haben: “Ne, lass mal, Chef, ich schreibe lieber Romane wie am Fließband, als am Fließband Autos zu montieren!”

Jedenfalls macht das den Eindruck, wenn man sich die Bestseller-Listen ansieht. Ist für die deutschen Verlage natürlich einfacher, weil risikoärmer: Diese Bücher haben auf dem Heimatmarkt schon funktioniert, werden es also wohl auch bei uns. 

Vielleicht brauchen die den auch gar nicht, den Heimatmarkt. Vielleicht kennt und liest die in Schweden keine Sau. Vielleicht reicht es für die deutschen Buchkäufer ja, wenn man beim Autoren-Namen einfach das ‘o’ diagonal durchstreicht.

Ein weiter Vorteil skandinavischer Autoren: Fehler im Plot fallen nicht so auf. Wahrscheinlich haben Skandinavier bessere Straßen  und können deshalb in einer Stunde von Kopenhagen nach Helsinki reisen. Mit einem Volvo. Und wenn die Logik des Verbrechens nicht passt, liegt das daran, dass die Amis und Engländer eben anders ticken als wir.

Vielleicht gibt es aber auch einfach zu wenig hervorragende deutschsprachige Autoren von Kriminalromanen. Naja, das ändert sich ja gerade.

Ich habe diesen sterbenslangweiligen Krimi namens ‘Rotkehlchen’ von diesem Nebo mit Strich durch das o wieder zur Seite gelegt und lieber ein wenig in meinem eigenen Manuskript gelesen.  Das bischen Fernsehen, das ich gucke, mache ich mir ja auch selbst. Dabei ist mir bei den Hauptpersonen meines Romans etwas aufgefallen:

Der Kommissar ist Schalke-Fan, ständig schlecht gelaunt und ständig schwarz gekleidet. Er weiß viel mehr als er sagt und ist genervt von den ganzen Amateuren in seinem Umfeld.

Der Reporter ist auch Schalke-Fan, hat lange graue Haare und raucht ständig Zigarillos. Er hat nie Geld und ist komplett genervt von der Schikanierei im Straßenverkehr durch Polizei und Oberlehrer. Er weiß eigentlich alles besser und macht sich insgesamt viel zu viel Gedanken. Aber am Ende kriegt er doch noch die Kurve.

Der Killer ist zynisch und total frustriert wegen der verpassten Chancen in seinem Leben. Denn eigentlich könnte er mehr als Töten. Wenn er allerdings diesen letzten Mord-Auftrag noch hinbekommt, hat er es geschafft. Leider geht diese Sache dann auch wieder schief.

Da habe ich mich dann gefragt: Wie bin ich eigentlich auf dieses merkwürdige Panoptikum verfallen?

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