2013
10.16

Seit Tagen wird über das Bad des Limburger Bischofs spekuliert. Nicht das in der Menge, das meidet er derzeit. Sondern das in seinem neuen, sündhaft teuren Amtssitz. Mal soll die gesamte Wellness-Oase 15.000 Euro gekostet haben, mal soll allein Franz-Peters Pullewanne so teuer gewesen sein. Heute endlich beschert uns die BILD-Zeitung die Bilder vom Amtssitz.
Huch, habe ich im ersten Moment gedacht, ist das bei uns? Die weißen Fliesen an der Wand sehen denen in H.s Badezimmer verdächtig ähnlich. Da haben wir auch nicht gespart, die durchgefärbten für 16,90/qm statt der einfachen Kacheln genommen. Gutes muss gar nicht so teuer sein. Seine Wanne ist unserer auch nicht unähnlich. Weiß, aus Acryl. Natürlich habe ich mal wieder keine Ahnung, muss ich mich belehren lassen, die Wanne des Würdenträgers ist vom Hersteller Duravit und von einem gewissen Philippe Starck entworfen worden. Unsere ist aussem Bauhaus. Wer sich die ausgedacht hat, weiß ich nicht. Sieht aber nicht viel anders aus, bleibe ich bei. Größter Unterschied: der Preis. Unsere Wanne hat so um die 200 Euro gekostet, natürlich im Sonderangebot. Die in Limburg angeblich 3.500 Euro. Baden kann man aber in beiden.
Wo Herr Tebartz-van Elst den bischöflichen Stuhl hinbringt, sieht man auf einem anderen Bild. Mit einem Bidet direkt daneben, in schlichtem weiß, der ganze Bereich brutalst weiß gekachelt. Wie eine Herrentoilette im Schwimmbad. Da hätte er mich mal als Stil-Berater befragen sollen. Ich hätte ihm zumindest schwarze Klobrillen verschrieben, vielleicht noch mit dem armen Lazarus als Airbrush drauf. Oder so. Gibt ja viele Motive in der Bibel, die sich anbieten. Ob seine Brillen mit einer ASA ausgestattet sind, einer Absenkautomatik, hätte mich auch interessiert. Über diese Technik verfügen wir nämlich, bzw. unsere Klobrillen.
Beim Waschbecken (Flaminia, Modell „Una“, 800 Euro) sieht man, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt. Wer ständig mit Taufbecken zu tun hat, hält deren Größe für sein Bad wahrscheinlich für angemessen. Mein Spülstein ist jedenfalls viel kleiner. Kann man sich aber genauso die Zähne dran putzen.
Der größte Unterschied zu unserem Bad, und das irritiert mich wirklich sehr, ist die Dusche. Bzw. die Duschen. Der Bischof hat nämlich zwei, direkt nebeneinander. Wozu? So ein Bischof ist ja bekanntlich alleinstehend. Natürlich bekommt der auch mal Besuch, der vielleicht über Nacht bleibt, wenn das Diskutieren theologischer Fragen etwas länger dauert. Kann passieren, der Weinkeller im der Limburger Residenz soll ja auch exquisit ausgestattet sein. Aber dann dusche ich doch am nächsten Morgen nicht mit Monsignore im selben Badezimmer, nebeneinander. Es soll mehrere Gästezimmer geben, die hätte ich doch mit eigener Dusche ausgestattet. Ich jedenfalls, wenn ich Bischof wäre. Für Rudelduschen bin ich nämlich nicht so. Sehr merkwürdig.
Die Küche war zum Zeitpunkt der Aufnahmen noch nicht ganz fertig. Die Schränke sind aber eindeutig von Bulthaup. Wahrscheinlich mit Miele-Geräten. Die sind angeblich für die Ewigkeit gemacht.
Weiter geht es, nächstes Photo, ins Schlafzimmer. Sehr kalt und nüchtern alles, wie eine Totenkapelle ohne Blumen. Indirekte Beleuchtung, Satinbettwäsche, und, das gefällt mir sehr gut, in die Wand eingelassene Nachttische.
Nachttische. Plural. Zwei. Einer links, einer rechts. Für Wecker, Handy, Kruzifix und Radio benötigt 1 Bischof ja eigentlich auch nur 1 Nachttisch. Meine Theorie: Die dienen als Lektüre-Ablage. Ich sehe nämlich keine Bücherregale. Der linke Nachttisch für’s neue Testament, der rechte für’s alte. Wofür auch sonst?
Im Wohnzimmer hat Herr Bischof einen Plasma-Fernseher, schreibt BILD. Haben wir auch. Seiner lässt sich aber per Knopfdruck um 180 Grad drehen. Kann ich verstehen. Ist echt Mist beim Fußball, wenn man nix sieht, weil die Sonne so in den Bildschirm reinknallt. Ich habe bisher nicht gewusst, dass es dafür eine Automatic gibt. Ich frage immer H., wenn sie ja gerade sowieso aufstehen will, um mir Schokolade zu holen, ob sie das TV-Gerät etwas drehen kann. Geht auch. Beim Bischof natürlich nicht, der müsste dann ja selbst aufstehen. Denn der guckt ja wohl allein, wegen des Zölibats.
Insgesamt sieht das Wohnzimmer ziemlich steril aus. Nüchterne schwarze Ledersessel wie beim Arzt im Wartebereich für Privatpatienten. Bisken unmotiviert steht noch ein Granit-Pimmel im Raum, äh, also so eine Stele, glaube ich, mit einer Figur drauf. Ist ja Geschmackssache. Ich jedenfalls hätte Angst, im besoffenen Kopp dagegen zu torkeln, und rumms, liegt das da alles. Zerspringt und macht noch die schönen Holzdielen kaputt. Sehen auch sündhaft teuer aus. Wie der eingebaute Kamin. Auch toll. Ich armer Sünder würde mich ja schon über einen Kaminofen freuen. Aber ich bin ja auch kein Bischof.
Wobei, wenn ich mir die Hütte so angucke… Mit H. als Haushälterin… Um diese Jahreszeit könnten wir schön nach Rom reisen, da ist es klimatisch sicherlich wesentlich angenehmer als hier. Und wenn die Kohle alle ist, lassen wir den Klingelbeutel rumgehen. Ja, ich weiß, Zölibat. Dann eben nicht.
Jedenfalls haben wir etwas, über das Herr Tebartz-van Elst scheinbar nicht verfügt, und dessen Anbringung ich H. mühsam abringen musste. Bei uns im Flur hängt nämlich ein winzig kleines Kruzifix. Das habe ich auf den Fotos von der Bude vom Bischof nirgendwo entdecken können.

3 comments so far

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  1. So will ichs lesen!

  2. So bitte in den Druck geben. Herrlich, lieber Thomas

  3. Ich liege auf dem Boden vor Lachen….soooo gut !!!!!

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