2013
02.21

Von einem ungewöhnlichen „Schildbürgerstreich“ berichtet die Polizei Bochum heute. Da gibt es nämlich einen neuen Kreisverkehr in Bochum-Stiepel, an der Ruhr in der Nähe des Kemnader Sees und der Stadtgrenze zu Hattingen. Dort hat wahrhaftig  jemand aus den Tempo-30-Schildern Tempo-80-Schilder gemacht! Diese eigenmächtige Übermalung und Hochsetzung der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit um 50 km/h bezeichnet die Polizei als „gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr“. Zu Recht! Was da nicht alles passieren kann, wenn jemand so doof sein sollte, mit Tempo 80 in einen Kreisverkehr zu brettern!

Auf dem Weg  zur Arbeit komme ich  täglich ganz in der Nähe vorbei. Ich habe eigene Erkenntnisse, dass alles noch viel schlimmer ist, die Polizei nur die Spitze des Eisbergs aufgedeckt hat. Wenn man nämlich sozusagen „über Land“ von Dortmund-Eichlinghofen nach Essen fährt, von der Abfahrt Hattingen/Herbede der A 43 durch Blankenstein, die Hattinger City, Niederwenigern nach Essen-Burgaltendorf, dann erkennt man: Es gibt auf diesem Weg noch viel mehr manipulierte Schilder! Heimtückisch manipulierte! Seit Jahren!

Die Veränderung der Zahlen auf den Schildern ist nahezu perfekt, sie wirken wie echt. Das ist das Infame daran. Da hat jemand wirklich kriminelle Energie gezeigt. Für den „normalen“ Autofahrer ist auf den Schildern „50“ oder „70“ zu erkennen, auch durch die Beschaffenheit oder den Zustand der entsprechenden Straßen spräche erstmal nichts gegen diese Geschwindigkeiten.

Von selbst wäre ich also nie darauf gekommen, dass da etwas nicht stimmt. Zum Glück gibt es ortskundige (auf den Kennzeichen steht meist DO, BO oder EN) ältere Verkehrsteilnehmer, die wohl schon länger von dieser Manipulation wissen und sich an die eigentlich vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von maximal 30 Kilometern pro Stunde halten. Vielleicht gibt es auch ein Radar-Scan, mit dem man die eigentlich auf den Schildern eingetragene Geschwindigkeits-Zahl unter den Übermalungen erkennen kann. Wahrscheinlich ist so etwas aber nur in Autos einbaubar, die genügend Platz haben, weil sie hochgebaut und einstiegsfreundlich sind. Wie VW Golf Plus, Mercedes A- und B-Klasse z.B..

Wie auch immer – bisher habe ich immer, wirklich immer, das unfassbare Glück gehabt, dass einer dieser erfahrenen, möglicherweise mit besserer Technik ausgestatteten Verkehrsteilnehmer vor mir her fuhr. So kam ich nie in die Gefahr, durch halsbrecherische Fahrweise die auf den Schildern angezeigte manipulativ hochgesetzte Höchstgeschwindigkeit auszunutzen. Was da alles hätte passieren können! Mit Tempo 70 über die Isenbergstraße! Unverantwortlich! Und überhaupt: Welcher Senior, morgens um 07:50 Uhr auf dem Weg von Hattingen zum Arzt in Niederwenigern, könnte sich bei diesem Tempo denn noch die in den Ruhrwiesen grasenden Auer-Ochsen angucken? Oder wer letzte Nacht wieder bei der Gaststätte „Zum Deutschen“ sein Auto stehen lassen musste? Sehen Sie. Ach so, die Ochsen interessieren Sie nicht, Sie konzentrieren sich lieber auf den Verkehr, und sie müssen zur Arbeit, außerdem galt auf dieser Landstraße früher sogar Tempo 100?

Dann gehören Sie bestimmt zu diesen uneinsichtigen Bauernburschen, die früher regelmäßig den Blitzkasten an der Isenbergstraße abgesägt und in der Ruhr versenkt haben. Bis die Stadt Hattingen keine Lust mehr hatte, neue aufzustellen. Ich sage Ihnen: Daran, dass da früher angeblich 100 war, kann man nur erkennen, wie lange es diese Manipulation der Höchstgeschwindigkeits-Schilder schon gibt. Und der Arzt macht ja auch erst um 08.00 Uhr auf.

Und überhaupt: Wer weiß, wo die  manipulierten Tempo-Schilder noch überall stehen? Das beste Beispiel ist die A 40, zwischen Kray und Wattenscheid. Vor dem Umbau hieß es dort “100″. Da hatte schon einer eine “0″ dran gemalt. Jetzt stehen dort feste Schilder, die genau so bearbeitet sind wie die in Bochum, da haben sie aus der “30″ eine “80″ gemacht. Aber Straßen NRW ist ja nicht doof, die haben ganz oben elktronische Tafeln angebracht. Und nur, wenn die Sicht glasklar und die jetzt dreispurige Autobahn komplett leer ist, darf man dort 60 fahren.Aber dafür haben die Täter auch noch die Blitzbatterie abgehängt. Jedenfalls löst die nicht aus. Habe ich gestern abend gemerkt. Da fuhr einer vor mir auf der äußerst linken Spur bestimmt mehr als 70 km/h, und die Dinger haben nicht ausgelöst.

Mir fallen noch mehr Beispiele ein. Auf jeden Fall die Baroper Straße und die B 236 in Dortmund. Die Ruhrallee in Essen, Höhe Bergerhausen. Da ist es besonders infam, Denn wenn man sich dort an die eigentlich mörderischen 50 hält, unverantwortlicherweise sogar noch etwas schneller fährt, hat man dort eine “grüne Welle”. Dabei kann an diesem Abschnitt  eigentlich nur 20 erlaubt sein, schon aus Lärmschutzgründen für die kürzlich dort hin gezogenen Anwohner. Und auf der Wittener Straße vor Opel in Bochum, da halte ich Tempo 50 für besonders unverantwortlich. Ich glaube, die Bochumer Polizei ahnt aber schon, dass mit den Schildern etwas nicht stimmt, und passt dort besonders auf, dass man wenigstens die 50 einhält. Also, wenn ich mal genauer nachdenke, sind die Schildermanipulateure überall im Ruhrgebiet unterwegs. Wenn mal da mal genauer hinschaut… da ist der Pferdefleisch-Skandal nix gegen.

Kein Kommentar

Kommentieren

Dein Kommentar

*