2012
08.06
H.s Mama ist an allem Schuld. Sie wohnt 300 Kilometer von ihrer Tochter entfernt, würde aber gern an deren Leben teilnehmen. Deshalb hat H. ihr gelegentlich am Telefon Geschichten aus dem Blog vorgelesen. Das fand H.s Mama lustig. Die 84jährige hat aber keinen Computer. Was lag also näher, als die unterhaltsamsten Storys in einer Datei hintereinander zu packen und ihr als Ausdruck zuzuschicken. Natürlich ohne die nur tagesaktuellen Dinge, die man nach zwei Jahren schon nicht mehr versteht, ohne die Fotos und deren Kommentierungen. Erstaunlicherweise kamen trotzdem über 200 Seiten zusammen.
Dann war da noch der Artikel im Spiegel. Verkäufe von ebooks nähmen rasant zu, stand da. Und jeder könnte Autor werden, ohne einen Verlag suchen und sich von einem Lektor reinreden lassen zu müssen. Es wurde das Beispiel eines Journalisten genannt, der seine besten Reportagen mal eben an einem Nachmittag aneindergeklatscht und bei epubli als ebook veröffentlicht hätte. Das sei kinderleicht und habe nur vier Stunden gedauert, und nach kurzer Zeit habe er schon 5000 Euro verdient. Oder so.
Da war ich doch direkt Feuer und Flamme. Das Gerüst, die aneinandergehängten Geschichten, hatte ich ja schon, dann wird das ja wohl nur zwei Stunden dauern. Also ab auf die Seite von epubli.de.
Zwei Versionen der Veröffentlichung sind möglich: Umsonst und ohne ISBN-Nummer kann man das Buch ausschließlich bei epubli erscheinen lassen. Für 19,95 Euro erhält man eine eigene ISBN-Nummer zugeteilt, das ebook wird zusätzlich über Amazon, google und apple vertrieben. Nen Zwanni kann man ja mal investieren in so ein Experiment, man gönnt sich ja sonst nix. Und die Kohle kommt ja schnell wieder rein. Anmelden, Abbuchungsgenehmigung erteilen, schon hatte ich die eigene ISBN-Nummer. Aber noch kein Buch.
Bekanntlich bin ich ja Computer-Idiot, aber epubli erklärt genau, wie es geht. Schritt für Schritt habe ich alle Anweisungen befolgt. Zum Umwandeln meiner Word-Datei in das Ebook-Format epub soll ich das kostenlose Programm calibre runterladen, kein Problem. Also Text rein in calibre, umwandeln lassen und zu epubli rüberschieben. Epubli sagt: Kein gültiges Format. Der Text ist immer noch in word, sehe ich. Auch nach der 13. Wiederholung dieses Schrittes genau nach Anweisung. Matze muss ran. Schafft es auch nicht. Es hat Tage gedauert, bis wir herausfanden: Die word-Datei selbst muss erst im rtf-Format gespeichert werden, weil calibre nur dieses Format, nicht aber word in epub wandeln kann. Ich muss sagen, wir waren schon ziemlich genervt. Vor allem, als sich der Text auch in epub nicht hochladen ließ. „Keine gültige epub, bitte lassen Sie die Datei von einem Validierungs-Programm überprüfen“. Praktischerweise war dieses Programm direkt verlinkt. Gesagt, getan. „Ihre epub ist fehlerfrei.“
Half aber nix. Funktionierte immer noch nicht. Also hat Matze bei epubli angerufen, 14 Cent pro Minute. Hat das Problem kurz geschildert, innerhalb von 14 Cent hat die nette Dame dort ihm geraten, ihr den die Datei als mail zu schicken. Wenig später die Antwort, zwei hilfreiche Formatierungstipps. Nur hochladen ließ sich die Datei immer noch nicht. Matze, der für die tägliche Arbeit jetzt schon dritten Tag hintereinander nicht mehr ansprechbar war, weil er sich mit dem ebook beschäftigte, hat es immer wieder versucht. Bis er die Nase voll hatte und das komplette Buch, sozusagen, als ellenlange Datei an epubli verschickt hat. Die haben dann die entscheidenden Änderungen vorgenommen, angeblich waren es nur Kleinigkeiten bei der Formatierung.
Als letzten Schritt vor der Veröffentlichung musste ich noch den Preis festsetzen. Wir haben mal geguckt, was ebooks so kosten. Bei amazon sind unter den Top 10 sieben Bücher, die unter drei Euro kosten. Das Werk auf platz 2, ein Psycho-Thriller, kostet sogar nur 99 Cent. Shades of Grey auf Platz 1 allerdings 9,99 Euro. Ich habe lange überlegt, was mir mein Buch wert wäre, und mich dann für einen Verkaufspreis von 3,99 Euro entschieden. Was nichts kostet, ist auch nix, und das ist weniger als man für eine Schachtel Kippen ausgeben muss. Rund 2 Euro pro verkauftem Exemplar bleiben bei mir hängen. Nach 10 Exemplaren bin ich also schon im grünen Bereich.
Nach einer Woche intensiver Beschäftigung mit der Technik erschien am Donnerstag, 02. August endlich mein eigenes ebook. Freitag Abend ab 19:47 Uhr war es dann auch bei amazon zu sehen.
Heute ist Montag, und ich bin immer noch kein Millionär. Es gibt bei epubli erst einen Käufer. Die Verkäufe bei Amazon kenne ich nicht, in der Bestseller-Rangliste steht das Buch auf Platz 19.311. Immerhin, denn bei amazon gibt es insgesamt 1.436.472 ebooks zu kaufen. Trotzdem wird es mal Zeit, dass sich der Stau auf der Überholspur auflöst.
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