2012
07.30

Heute morgen habe ich wieder eine Mail erhalten von jemanden, der/die Ironie nicht versteht, oder mein schlechtes Ebglisch. Denn nur wenige Stunden, nach dem ich vor zwei Wochen  ein Mehrfamilienhaus zum Verkauf  inseriert hatte, kam bereits die erste Mail dieser Dame, vorgeblich aus California, wahrscheinlich aus Nigeria.

Ich habe in meiner Antwort dann gefragt, ob ich behilflich sein dürfte, durch die Überweisung einer größerer Summe das eingefrorene Vermögen loszueisen,  damit ein Großinvestor aus den USA unser Schröggelhaus in Kupferdreh kaufen kann. (Siehe Beitrag: So doof dann auch wieder nicht… vom 17.07.2012)  Ich dachte, das reicht, dass die mich in Ruhe lassen. Heute dann diese Mail:

Hello,

Thank you for your kind feedback. Please be advised that it is my sincere interest to buy this property as well as have a confidential business cooperation/relationship with you. Essentially, I am asking for two different things, investment in Germany and your property.  As you may understand, the property would be part of my intended investment or a home for me to stay while in Germany.

As a way of introduction, I am an Assistant Station Manager Reserve with Red Cross Service to the Armed Forces. I was recently redeployed to Afghanistan, at the Red Cross station in Bagram Air Field. My first deployment to Bagram Air Field was in March 23, 2010. My job is to bring some comfort to the service members and also connect soldiers with their families during emergencies. We also work to provide relief to victims of disaster and help people prevent, prepare for, and respond to emergencies.

This 2012, I made 11 million euro for participating in a confidential 4-month oil and gas deal here in Afghanistan. And it’s not just me: others here in Afghanistan have participated in a variety of crude oil deals that paid off as well. High oil prices in recent years have made this possible.

My main purpose is to invest this money in quality sectors in your country that will accumulate or yield good profit such as long term real estate related investment, large scale farming and any other profitable investment you may wish to recommend. The investments can be operated by both of us or you alone depending on the investment laws of your country.

As a way forward, I will need your cooperation to get this investment capital (11 million Euros) out of Afghanistan to Germany before my coming over to meet with you. I hope this can be possible for you? Apart from buying your property, for your participation in the transfer of this money to Germany, i am prepared to give you a generous percentage of the entire 11 million as well as invest the rest of the amount in Germany with you as my agent or partner.

Please tell me your thoughts.

Regards,

Mrs.Hope Bryant.

Für wie doof hält einen diese Nigeria-Connection, war mein erster Gedanke. Die Masche ist schließlich uralt: Nach der oben stehen Mail kommt als nächstes, dass erst noch ein hoher Staatsbeamter geschmiert werden muss, damit sie ihr Kapital ausführen dürfen. Deshalb schlagen sie dem Verkäufer der Immobilie vor, er möge zunächst eine Summe X, mindestens im mittleren fünfstelligen Bereich, für das Bestechumgsgeld  an sie überweisen. Damit bekämen sie ihr e Millionen frei, würden es ins Ausland, meist sagen sie Schweiz, transferieren. Dort kann man dann das eigentliche Immobilien-Geschäft durchziehen. Und weil der deutsche (Immobilien-) Verkäufer so nett war, ihnen zu helfen, bekommt er das Mehrfache seines Einsatzes zurück. Er hätte dann  also nicht nur seine Immobilie zum angebotenen Preis verkauft, sondern darüber hinaus einen Gewinn im meist sechstelligen Bereich gemacht. Es gibt solche Varianten auch im kleineren Stil, mit hochwertigen PKW, die ein Engländer kaufen will, dem man aber erst die Fähr-, Export- und Zollkosten vorstrecken soll. Bei dieser Variante verliert man nur wenige Tausender, wenn man sich darauf einlässt.

Da diese Masche mittlerweile sehr bekannt ist, schreiben jetzt scheinbar Amerikaner, und das Geld liegt nicht in Nigeria, sondern in Afghanistan fest. Ansonsten bleibt das Verfahren gleich. Ich glaube, dass auch diese Mails aus Afrika kommen.

Aber warum, um Gottes Willen, fallen immer noch Menschen mit Geld darauf rein, die man ja eigentlich  für gut informiert und nicht ganz doof hält?

Die ausländischen “Investoren” lassen keinen Zweifel daran, dass das Geschäft nicht ganz sauber ist – entweder haben sie ihre Millionen illegal erlangt, oder sie führen sie illegal aus. Aber andere Länder, andere Sitten. Sie gehen, scheinbar zu Recht, davon aus, dass ihre europäischen Geschäftspartner  selbst über “Schwarzgeld” und Verständnis für ungewöhnliche Geschäftsmethoden zum Waschen desselben verfügen. So jemand, kalkulieren sie,  lässt sich dann auch auf einen Bargeldtransfer über Western Union ein, wo man Absender und Empfänger leicht verschleiern kann. So jemand geht dann auch nicht so schnell zur Polizei, das mindert das Risiko und das Bekanntwerden der Masche.

Man sollte wohl auch die Menge dieser Mails nicht unterschätzen, wahrscheinlich sind es zigtausende, die verschickt werden. Im Internet-Zeitalter kostet das ja nicht viel, früher hätte man dafür schon tausende Dollar für Briefporto vorfinanzieren müssen. Und irgendeinen gierigen Dummen finden sie scheinbar immer.

Zuletzt eine 75jährige Sauerländerin aus dem Märkischen Kreis. Sie  lernte über eine Partnerbörse einen nigerianischen Mann kennen, der ihr Avancen  machte. Um sein Vermögen loszueisen, nach Europa zu ihr ausreisen zu können, benötigte er  50.000 Euro. Bei der Sauerländerin kam zur Geldgier scheinbar noch die Liebe hinzu, das Gehirn wurde also nicht nur auf standby gesetzt, sondern gleich ganz vom Stecker genommen. Sie verschickte das Geld ebenfalls über Western Union. Ging aber anschließend zur Polizei, die ihr nicht viel Hoffnung macht: Ermittlungen in Nigeria verlaufen meist im Sande.

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